Andreas Stoch und Annegret Lang besuchen Seniorenresidenz an der Eyach

„Klatschen reicht nicht“

„Klatschen reicht nicht“

„Ausfälle bei unseren Mitarbeiter*innen sind ein Problem“ erklärte Hausdirektorin Marlies Kempka dem Spitzenkandidat der SPD, Andreas Stoch, und der SPD-Wahlkreiskandidatin Annegret Lang. Die beiden hatten die Seniorenresidenz an der Eyach am vergangenen Mittwoch besucht, um sich über die aktuelle Lage zu informieren. Die Leiterin des Pflegedienstes, Tanja Götzinger, fügte hinzu: „An einem Tag im April hatten wir neun Krankmeldungen wegen vorsorglicher Quarantäne.“

Es ist derzeit nicht einfach für alle Beteiligten. Viele Senioren- und Pflegeheime stehen unter großem Druck. Sollten die Besuchsregeln generell verschärft werden? Oder brauchen die Bewohner*innen gerade jetzt die Unterstützung ihrer Angehörigen? Müssen die Pflegekräfte flächendeckend getestet werden? Oder gibt diese Momentaufnahme keine Sicherheit?

„Wir brauchen generell strengere Regeln in den Pflegeheimen, die Spielräume lassen, um sie an die Situation vor Ort anzupassen“, sagte Kempka.“Wir wollten schon vor einiger Zeit die Besuche einschränken. Das wurde uns aber von der Heimaufsicht verboten.“ Es sei wichtig, dass alle Besucher verpflichtend getestet werden und das Heim nur noch mit FFP2-Maske betreten dürften, so Kempka.

SPD-Landtagskandidatin Annegret Lang, die selbst lange Jahre in der Pflege gearbeitet hat, sprach sich für eine generelle Hotspotstrategie aus, die die Marschrichtung vorgebe. „Wir brauchen ein einheitliches Regelwerk als Rahmendefinition, die die Landkreise an den individuellen Bedarf anpassen können.“

Lang sprach über den SPD-Parteitag zur Pflege, bei dem sich die Genossinnen und Genossen 2019 mit dem Thema beschäftigt haben. „Wer in der Kranken- oder Altenpflege arbeitet, verdient Anerkennung: durch gute Löhne, klare Personalschlüssel, bessere Arbeitsbedingungen, gute Ausbildung und Zugang zu Kinderbetreuung.“ Das sei wichtig, so Annegret Lang, damit die Pflege in Zukunft besser organisiert werden kann. „Klatschen reicht nicht aus. Wir brauchen eine Imageverbesserung der Pflegeberufe durch eine gesellschaftliche Debatte.“ Auch die Pflegeversicherung müsse neu aufgestellt werden. „Die Menschen haben Angst, dass sie sich die Pflege nicht mehr leisten können.“

Auf die Frage von Andreas Stoch, ob es direkte Kommunikation mit den Sozialministerium des Landes gäbe, antwortet Clemens Miola, Regionaldirektor der evangelischen Heimstiftung: „Es gibt schon Kommunikation mit dem Ministerium. Aber es muss dann alles an die Regelungen des Landkreises angepasst werden.“ In der Heimstiftung ringe man immer um gute Lösungen und Verhältnismäßigkeit. Aber es sei sehr schwierig bei diesem diffusen Infektionsgeschehen, so Miola. Intern arbeite man derzeit mit einer Kampagne an der Impfbereitschaft, sagte Miola. Hier sei noch Aufklärungsarbeit nötig.

Andreas Stoch sagte abschließend: „Wir müssen beim Thema Pflege raus aus der Deckung und offensiv daran arbeiten. Die SPD Baden-Württemberg hat das Thema auf dem Schirm. Es ist eines der fünf Wahlkampfthemen für die Landtagswahl. Wir wollen die Situation für alle spürbar verbessern.“