Die Lebenshilfe Zollernalb

Inklusion und was das mit meiner Vita zu tun hat

Inklusion und was das mit meiner Vita zu tun hat

Dem Bericht über meinen Besuch bei der Lebenshilfe Zollernalb in Bisingen möchte ich einen kurzen Rückblick vorausschicken, damit Ihr verstehen könnt, wie sehr mir das Thema Inklusion am Herzen liegt.

Mein jüngster Sohn wurde mit dem Down Syndrom geboren. Mein Mann und ich haben uns von Anfang an für so viel Normalität wie möglich für Kilian entschieden. Kein Schonraum, wo er nicht gebraucht wird. So wuchs er mit seinen Geschwistern auf und wir setzten bei unserem Kindergartenträger vor Ort durch, dass Kilian mit seiner Schwester gemeinsam in den Kindergarten gehen konnte.

Als es um die Einschulung ging, haben wir entschieden, dass Kilian in eine Aussenklasse der Weiherschule, ein sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ), gehen sollte, um in Kooperation mit einer Grundschulklasse seine Schullaufbahn zu starten. Das war damals vor fast 20 Jahren noch recht neu und erforderte von uns und den anderen fünf beantragenden Eltern einen langen Atem und eine Schule, die bereit war unsere Kinder aufzunehmen. Die Bereitschaft der Schulen war nicht groß. Alle hatten mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen. Der Gemeinderat Bisingen gab grünes Licht und die Eltern der Thanheimer Grundschule stimmten dem gemeinsamen Projekt zu. Unsere sechs Kinder mit Behinderung wurden in Bisingen-Thanheim eingeschult und verbrachten im alten Schulhaus, gemeinsam mit der Grundschulklasse, vier sehr schöne Jahre.

In dieser Zeit lernte ich als Elternbeirätin der Weiherschule, Holger Klein, Vorstandvorsitzender der Lebenshilfe Bisingen, kennen. Er wurde zu einem engen Partner der Weiherschule. Er kam zu Elternabenden und den Treffen des Elternbeirats und seine Frage war immer: „Wo können wir unterstützen?“

So entstanden Nachmittagsbetreuung für die Schüler berufstätiger Eltern und der Familienentlastende Dienst. Holger Klein war keine Idee zu aufwendig, er war unermüdlich, die Familien mit einem besonderen Kind zu unterstützen. Es würde zu lange dauern, alles aufzuzählen, was in den vergangenen 20 Jahren unter der Regie von Holger Klein und seinen Mitarbeiter*innenn gewachsen ist.

Als ich als Landtagskandidatin der SPD letzte Woche Holger Klein und seine Stellvertreterin Dr. Monika Betz in Bisingen besucht habe, sind wir zu Beginn unseres Gesprächs diesen gemeinsamen, langen Weg noch einmal gegangen.

Holger Klein und Dr. Monika Betz haben mit Hilfe einer Präsentation dargestellt, wie der einstige Verein Lebenshilfe Bisingen zur Stiftung Lebenshilfe – ZAW gGmbH gewachsen ist. Mit den Tochterunternehmen ISBA, AIZ gGmbH und Kaffeewerk mit Genießbar. Auch gehören zahlreiche Wohngruppen und Apartments im ganzen Zollernalbkreis zum vielseitigen Angebot der Lebenshilfe.

Die Lebenshilfe ist ein großer Arbeitgeber im Zollernalbkreis geworden. In den Werkstätten sind es allein 360 betreute Arbeitsplätze. Nicht wegzudenken sind die diversen Freizeitangebote, die gerade jetzt in der Pandemie so schmerzlich vermisst werden.

Der Stiftungsvorstand und die vielen engagierten Mitarbeitenden haben mit ihrem Menschenbild ganz enormes geschaffen für die Lebensqualität und für die Inklusion von Menschen mit einer Beeinträchtigung.

Da mir das Thema Inklusion sehr wichtig ist, habe ich Holger Klein und Monika Betz besucht, um zu erfahren, wie sich die Pandemie auf die Menschen in den Werkstätten auswirkt. Wie steht es um die Inklusion? Was hat sich eigentlich verändert, seit meine Familie den inklusiven Weg für Kilian erkämpft hat?

Holger Klein schilderte in unserm Gespräch, dass den Menschen bei der Lebenshilfe, wie uns allen auch, Kontakte fehlen. Die AHA Regeln würden alle sehr ernstnehmen. Daher habe es auch noch keine Infektionen gegeben, die weitere Maßnahmen erfordert hätten. Alle seien froh, dass die Werkstatt nicht wie im Frühjahr 2020 geschlossen wurde.

„Inklusion ist Begegnung, ohne Begegnungen kann Inklusion nicht stattfinden“, so Klein. Von daher ruhe die Entwicklung in der Pandemie. Die Lebenshilfe beschäftigt zurzeit 70 Schulbegleiter*innen, die Assistenzleistungen erbringen, um Schüler*innen mit einer Behinderung den Besuch einer Regelschule zu ermöglichen. Klein betonte, dass er trotz der Schulschließungen keine Kündigungen ausgesprochen habe, sondern die Zeit für Qualifizierung nutze. Auch würden die Schulbegleiter*innen während der Sommerferien nicht entlassen, sondern durchgehend vergütet. Auch die Beschäftigten der Werkstatt hätten trotz der Schließung im Frühjahr ihren Lohn bekommen. Es sei eine schwierige Situation gewesen. Es gäbe für Werkstattbeschäftigte keine Kurzarbeit wie für andere Arbeitnehmer. Der Bund hat Hilfen ausgezahlt, doch nicht alle Werkstätten seien in den Genuss dieser Gelder gekommen. Es habe Werkstätten gegeben, die kurz vor der Schließung standen, so Klein. „Zum Glück ist die Auftragslage bei der ZAW stabil, sodass es da keine Probleme gab“, betonte der Vorstandsvorsitzende. Holger Klein und Dr. Monika Betz regen an, „dass die Politik die Entlohnung der Werkstattbeschäftigten neu regelt.“

Mit diesem Anliegen in der Tasche, sage ich Danke für dieses Gespräch und dass es die Lebenshilfe Zollernalb gGmbh gibt.