SPD-Landtagskandidatin Annegret Lang im Gespräch mit Dr. Ipek Gedikli, Oberärztin am Zollernalb Klinikum

Muslima mit Führungsverantwortung und politischem Engagement

Muslima mit Führungsverantwortung und politischem Engagement

Dr. Ipek Gedikli, Fachärztin für Gynäkologie und ehemalige Balinger Gemeinderätin hat SPDLandtagskandidatin Annegret Lang auf ihrer Terrasse besucht.

Zunächst erzählte Ipek Gedikli, dass sie mit fünf Jahren als gebürtige Türkin nach Deutschland gekommen sei. Ihre Eltern seien als Gastarbeiter nach Binsdorf gekommen. Als Kind sei es ihr leichtgefallen, Kontakt zu knüpfen und die deutsche Sprache zu lernen. Ihrer Mutter sei es immer ein Anliegen gewesen, dass ihre Tochter einen guten und erfüllenden Beruf erlernt. Schon früh hatte sie den Wunsch, Ärztin zu werden. Damals sei es noch sehr ungewöhnlich gewesen, dass eine junge türkische Frau Medizin studiert. Die Ärztin heiratete und bekam 3 Töchter. Sie machte mit Familie Karriere und ist jetzt Oberärztin in der Gynäkologie des Zollernalb Klinikums.

Gedikli ist gläubige Muslima und sieht durchaus Gemeinsamkeiten zwischen dem Islam und dem Christentum. „Damit man diese Gemeinsamkeiten erkennt, ist es wichtig, dass die Menschen sich begegnen und aufeinander einlassen ohne Vorbehalte“, sagte Gedikli. Darum leite sie gemeinsam mit der Stadt- und Kreisrätin Angela Godawa den Deutsch-Türkischen Frauentreff, bei dem es genau diese Begegnungen gäbe und alle Frauen im Austausch voneinander lernen.

Ob sie im Berufsalltag schon Anfeindungen auf Grund ihres Kopftuchs erfahren habe, möchte Lang von Gedikli wissen. „Es gab nur einen Fall. Das war für mich aber kein Problem, weil das ganze Team hinter mir steht“, erklärte die Ärztin.

Die beiden Frauen haben noch viele Themen angesprochen. Von der Digitalisierung im Klinikbereich, über Möglichkeiten der Telemedizin, fehlenden Infrastrukturen im ländlichen Raum, über die Folgen des Fachkräftemangels bis zur fehlenden Kinderbetreuung für das Klinikpersonal. Und natürlich auch über die Corona-Pandemie. „Wir haben auch darüber gesprochen, wie die veränderten Familienstrukturen den Klinikalltag erschweren, wenn es um die nachklinische Versorgung alter Menschen geht“, sagte Annegret Lang.

Abschließend fragte die SPD-Landtagskandidatin nach der Situation der Geburtshilfe im Zollernalbkreis. Die Oberärztin freute sich über steigende Geburtenzahlen. So wurden im vergangenen Jahr 1200 Kinder im Zollernalb Klinikum geboren und alle Hebammenstellen konnten besetzt werden. Im niedergelassenen Bereich, so die Fachärztin, gäbe es allerdings immer weniger Hebammen, da der Versicherungsschutz sehr teuer sei. „Als Landtagskandidatin kann ich sagen, dass die SPD die Geburtshilfe stärken will. Dazu gehört auch, dass es einen finanzierbaren Versicherungsschutz für freiberufliche Hebammen geben muss“, sagte Lang.

„Es war ein sehr interessantes Gespräch mit einer starken Frau, die sich für unsere Gesellschaft engagiert. Ipek Gedikli vereint in ihrer Person so viel Gesprächsstoff, dass es mit Abstand das längste Terrassengespräch war, das ich bisher geführt habe. Das kann natürlich auch an den frühlingshaften Temperaturen gelegen haben. Wir mussten nicht frieren“, fasste Annegret Lang das Gespräch zusammen.